Bücher aussortieren: Verkaufen, spenden oder behalten?
- Ordnungswillig

- 23. Jan.
- 5 Min. Lesezeit

Ich lese viel. Sehr viel. Und trotzdem stehen in meinem Regal nur noch wenige Bücher. Nicht, weil ich Bücher nicht mehr liebe – sondern weil ich irgendwann gemerkt habe: "Ich lese, also bin ich." stimmt nicht ganz.
Mein Bücherregal? Früher platzte es aus allen Nähten, ich hatte einfach zu viele Bücher und zu wenig Regal. Trotzdem war jeder Band akkurat ausgerichtet, keine Eselsohren, kein Knick im Buchrücken. Irgendwann beschloss ich, ein paar – okay, viele – Bücher auszusortieren. Kisten gepackt, auf den Flohmarkt gestellt – und dann das volle Spektrum an Reaktionen erlebt: Menschen, die jedes Buch begeistert durchblätterten, und solche, die angewidert abdrehten: „Zu schnulzig!“
Viele meiner Bücher haben so ein neues Publikum gefunden. Heute lese ich alles auf meinem Reader. Praktisch, stressfrei, immer dabei – aber ganz ehrlich: Dieses besondere Feeling, das man nur bekommt, wenn man ein Buch in den Händen hält, fehlt. Keine Farbschnitte, keine edlen Einbände, kein Aroma von gedrucktem Papier. Trotzdem stehen ein paar Überlebende in meinem Regal: signierte Ausgaben von Lesungen, Erinnerungen an Abende mit Lieblingsautorinnen, echte Sammlerstücke.
Viele meiner "Ordnungswilligen" denken: „Zum Wegwerfen sind sie zu schade – aber Verkaufen ist mir zu aufwendig.“
Das Stimmt nicht mehr. Wenn auch du Bücher hast, deren Geschichten aus erzählt sind, aber keine Lust hast, stundenlang Kisten zu schleppen oder endlose Preisverhandlungen zu führen, dann kommen hier drei praktische Optionen.
Ob Bookbot, Thalia oder Spenden – jede hat ihre Vorteile, und ich zeige dir Schritt für Schritt, wie es funktioniert. So haben deine Regale wieder Platz für Bücher, die du wirklich liebst oder die zukünftig einziehen sollen.
Bücher aussortieren leicht gemacht – raus mit dem alten Stoff
Warum fällt uns das Loslassen von Büchern eigentlich so schwer? Weil Bücher nicht nur bedrucktes Papier in hübschen Einbänden sind – sie sind Erinnerungen, kleine Abenteuer und stille Zeugen unseres Lesens. Und trotzdem: Manchmal reicht ein Blick ins Regal, um zu merken, dass wir das nicht mehr sind.
12 Fragen, die dein Bücherregal ehrlich beantworten muss
Würde ich dieses Buch heute noch einmal kaufen? Nicht „damals“, nicht „im Angebot“, nicht „weil man das halt hat“ – heute, mit deinem jetzigen Leben.
Plane ich realistisch, dieses Buch noch einmal zu lesen? Nicht in einem diffusen „irgendwann-mal-wieder“-Leben, sondern in deinem echten Alltag zwischen Wäschekorb und Kalender.
Hat dieses Buch für mich einen emotionalen Wert – oder nur nostalgischen Staub?Erinnerung darf bleiben. Pflichtgefühl nicht.
Würde ich es einer Freundin empfehlen – oder eher entschuldigend erklären? („Ist nicht perfekt, aber…“) ist kein überzeugendes Bleibe-Argument.
Behalte ich dieses Buch wegen seines Inhalts – oder wegen seines Covers? Schön aussehen ist kein Verbrechen. Aber auch kein Grundrecht auf Regalplatz.
Warum fällt mir das Loslassen hier gerade schwer? Weil Bücher klug wirken? Weil sie „gebildet“ aussehen? Spoiler: Es sind bedruckte Seiten in hübschen Einbänden – kein Persönlichkeitsnachweis.
Erzeugt dieses Buch Ruhe – oder latent schlechtes Gewissen? Alles, was dich jedes Mal still anstarrt mit „Du wolltest mich doch noch lesen“, darf gehen.
„Ich brauche das Buch für meine Arbeit“ – wirklich? Oder liegt es seit Jahren unangetastet im Regal, während du die Infos längst schneller online findest?
Schlage ich tatsächlich regelmäßig etwas darin nach – oder erzähle ich mir das nur?Wenn du überlegen musst, wann das zuletzt war, kennst du die Antwort.
Sind die Inhalte noch aktuell? Oder bewahrst du hier Wissen auf, das inzwischen drei Updates, ein neues Buzzword und ein Rebranding verpasst bekommen hat?
Gibt es das Gleiche inzwischen digital – übersichtlicher und griffbereiter? Dein Reader und dein Smartphone sind oft die besseren Bibliothekare.
Behalte ich dieses Buch aus echtem Nutzen – oder aus schlechtem Gewissen? Teuer gewesen zu sein ist kein Argument fürs lebenslange Bleiberecht.
Wenn du diese Fragen ehrlich beantwortest, ist das Chaos im Kopf schon halb gelöst.
Und dann? Verkaufen oder spenden – die ehrliche Anschlussfrage
Wenn du diese Fragen einmal wirklich beantwortet hast, passiert etwas Interessantes: Die Bücher stapeln sich innerlich nicht mehr. Plötzlich gibt es nur noch drei Kategorien:
Bleibt. Ohne Diskussion.
Darf weiterziehen – und bringt vielleicht noch etwas ein.
Darf weiterziehen – weil jemand anderes sich darüber freuen wird.
Genau hier entscheidet sich, wie ein Buch geht. Nicht aus Impuls. Nicht aus Frust. Sondern mit einem klaren „Passt nicht mehr zu mir“.
Verkaufen lohnt sich, wenn das Buch gut erhalten ist, noch gefragt wird und du dir denkst: „Das darf ruhig jemand anderes lesen – und ich investiere das Geld lieber in neue Geschichten.“
Spenden ist die richtige Wahl, wenn der Marktwert gering ist, der ideelle Wert aber noch da. Wenn du weißt: "Das Buch ist zu schade für den Müll, aber nicht mehr Teil meines Lebens."
Beides ist kein Verlust – es ist bewusste Ordnung.

1. Verkaufen über Bookbot
Bookbot ist ein Online-Second-Hand-Buchhandel, der mehr kann, als nur günstige Bücher anzubieten. Hier kannst du deine gebrauchten Schätze ganz einfach verkaufen. Die Mission? Sie vor dem Schicksal des vergessenen Regalfachs – oder schlimmer noch, der Mülltonne – bewahren.
Und das Beste: Der Book-Bote (nur für Berlin) holt deine Bücher direkt bei dir zu Hause ab – kostenlos. Kein Schleppen, kein Paketstress, einfach nur Regalfreiheit.
So funktioniert’s:
Du schnappst dir dein Handy, machst ein Foto deiner aussortierten Bücher – ein simples Bild der Buchrücken nebeneinander reicht völlig.
Bookbot schaut sich an, welche Titel sie nehmen.
Der Versand? Kostenlos.
Danach übernimmt Bookbot den Rest: Verkauf, Käufer:innen, Versand
Und wenn deine Bücher verkauft sind, klingelt das Konto oder das Guthaben: Entweder auszahlen lassen oder direkt wieder in neue (gebrauchte) Schätze bei Bookbot investieren.
2. Verkaufen über Thalia
Thalia macht es ebenso einfach, gebrauchte Bücher loszuwerden:
Bücher vorbereiten: Barcode scannen über App oder thalia.de, in die digitale Versandbox packen (Mindestwert: 3 €)
Paket verschicken: Versandetikett ausdrucken oder digital zeigen, kostenlos via DHL
Guthaben erhalten: Als Thalia-Geschenkkarte – perfekt für dein nächstes Lieblingsbuch
3. Spenden – wenn Verkaufen keine Option ist
Nicht jedes Buch lässt sich verkaufen. Aber fast jedes ist noch lesenswert.
Meine Tipps für Berlin:
Öffentliche Bücherschränke - So ein Schrank steht bestimmt auch in deinem Kiez. Für Berlin gibt es eine praktische Übersicht aller Standorte.
SinneWerk-buchspende.org - persönliche vorbeibringen, per Post oder innerhalb Berlins abholen lassen (ab einer Menge von 100 Büchern).
Wichtig: Spenden ist kein Abladeplatz. Gib nur Bücher weiter, die du selbst noch guten Gewissens lesen würdest.
Bücherregale sortieren – damit Ordnung bleibt
Aussortieren ist nur die halbe Miete. Die andere Hälfte: wie stehen die Bücher danach im Regal?
Nach gelesen / ungelesen: Alles, was du noch lesen willst, bleibt sichtbar. Gelesenes darf ruhiger wohnen.
Nach Größe und /oder Farbe: Visuell sofort entspannter.
Nach Lieblingsstatus: Griffbereit die Lieblingsbücher, weiter oben oder unten alles andere.
Mit bewusstem Leerraum: Nicht jedes Fach muss voll sein – Leerraum ist eine Einladung, nur noch das reinzustellen, was wirklich bleibt.

Zum Schluss – eine ehrliche Entscheidung
Bücher aussortieren heißt nicht, dass du weniger liest. Es heißt nur, dass du genauer hinschaust. Welche Geschichten begleiten dich wirklich? Welche stehen nur noch da, weil sie schon immer da standen?
Dein Regal muss kein Archiv sein. Es darf sich verändern – so wie du.
Manche Bücher bleiben, weil sie etwas mit dir zu tun haben. Andere dürfen gehen, weil ihre Aufgabe erfüllt ist. Verkaufen oder spenden ist kein Verlust, sondern eine bewusste Weitergabe.
Und jetzt? Wenn du vor deinem Regal stehst und merkst: Ich weiß eigentlich, was gehen darf – aber ich komme nicht ins Tun, dann ist genau das mein Arbeitsfeld. Ich helfe dir dabei, Entscheidungen zu treffen, die sich stimmig anfühlen – ohne Druck, ohne Dogmen, ohne „Man müsste mal“.
Schreib mir – wenn du Ordnung willst, die zu deinem Leben passt. Nicht zu einem Trend. Nicht zu einem Ideal. Sondern zu dir.
Mit ordnungswilligen Grüßen


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